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Markus WOW123 Genesius

Seit 1988 ist Markus WOW123 Genesius ein aktiver Teil der internationalen Graffiti-Szene. In seinem ganz eigenen Stil gestaltete er massenhaft Wände in vielen Städten rund um die Welt und machte seinen Namen sehr schnell bekannt. Neben Künstlern wie DAIM, Daniel Man, Atom, Kent und Flying Förtress zählt er zu den führenden Figuren der zweiten Graffiti-Generation in Deutschland. Gegen die vorherrschenden Regeln der Graffiti-Bewegung in den frühen Neunzigern experimentierte WOW123 nicht nur mit Typographie – er mischte schon früh klassisches Style-Writing mit fotorealistischen Motiven. Zwar hat dies die Szene nicht gänzlich erfreut, doch es kümmerte den Künstler nicht und grade deswegen gilt Markus Genesius bis heute als eine Inspiration für viele Writer. Er schuf seine eigene Graffiti-Sprache und durch seine junge Kunstbewegung formte er damit eine ganz neue stilistische Ära.

Immer auf der Suche nach neuen künstlerischen Wegen fand er sich letztendlich in den mystischen Wänden eines Künstlerstudios wieder. 2010 siedelte sich Genesius in einer Künstlerkommune in seiner Heimatstadt Bremen an und experimentiert seitdem mit neuen Materialien und Arbeitsweisen. Es war ihm wichtig, nicht nur sein urbanes Vokabular auf Leinwand zu kopieren – das hätte sich aus Sicht des Künstlers nicht richtig angefühlt. Während seiner jüngsten Kreativphase arbeitete er mit einem Symbol, das bald sein Markenzeichen wurde: das deutsche Fernsehtestbild, was Anfang der Neunziger für die nächtlichen Sendepausen genutzt wurde. Es ist eines der berühmtesten Testbilder weltweit und Markus Genesius übernahm die Kontrolle über diese abstrakte Komposition aus Linien und Farbfeldern. Er zerteilt die Elemente, verändert sie auf sensible, manchmal brutale Weise und fügt sie zu neuen Arrangements wieder zusammen. Die Symbolsprache des Graffitis und der künstlerische Umgang mit Sprühfarbe wurden in diesem Prozess nicht missachtet, wobei Genesius immer wieder zu seinem urbanen Hintergrund zurückfindet. Dabei arbeitet er mit überlappenden Oberflächen – eine Herangehensweise, die über das Style-Writing auf Wänden und das Malen auf Leinwänden hinausgeht. Für seine letzte überragende Einzelausstellung „Inner Conflict“ im Januar 2016 in Bremen fertigte er eine große Holzskulptur, die das Testbild in den dreidimensionalen Raum überführte.