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Rafael Gerlach/SatOne

1977 in Venezuela geboren und seit 1979 in München aufgewachsen spielte das Reisen schon in den ersten Lebensjahren Rafael Gerlachs eine prägende Rolle. Verglichen damit war es eine kurze Reise, die ihn Anfang der neunziger Jahre auf die Graffiti Szene stieß: Entlang der Bahngleise Richtung Innenstadt animierten ihn die besprühten Wände zum Eintritt in eine Welt, die er ab 1991 im Raum München unter dem Alias SatOne maßgeblich mit gestaltete. So initiierte er auf dem Gelände eines ehemaligen Schwellenwerks eine international bekannte Hall of Fame, die 2007 allerdings dem Abriss zum Opfer fiel.

Den studierten Grafikdesigner zog es immer wieder in die Ferne, um Inspirationen zu sammeln und Projekte zu realisieren. Während die Außenarbeiten immer stark von der Umgebung diktiert werden und Gerlach selber beinahe nur als ausführendes Element eingreift, kann er im Atelier experimentieren, neue Techniken ausprobieren und gesammelte Eindrücke weiterverarbeiten. So entwickelte er ab 2000 einen prägnanten grafisch-abstrakten Stil. Zwei Jahre später stellte er diese Arbeiten erstmals auf der Urban Discipline in Hamburg aus und fertigte in der Folge mehr Atelierarbeiten, die sich von den Außenprojekten vor allem im Kontextbezug unterscheiden. Stilistische Unterschiede entstehen durch die Nichtanwendbarkeit von Ateliertechniken im Außenraum. Dazu gehört auch der von ihm entwickelte, rotierende Pinselstrich, dessen eigenständiges Volumen eben nicht mit Sprühdose und Streichrolle erreicht werden kann.

In der Beschäftigung mit der Farbwirkung auf das Unterbewusstsein des Betrachters rückt Gerlach von der Deutungshoheit seiner Arbeiten ab; entscheidend ist, dass der Betrachter aus dem Bild und der Summe seiner eigenen Erfahrungen eine Geschichte erzeugt. In Abgrenzung zu den dominanten Schriftzügen im Graffiti sind seine Arbeiten weniger als Ausrufezeichen denn als Fragezeichen zu verstehen und öffnen unweigerlich einen größeren Interpretationsspielraum. Letztendlich wirken sie auf diese Weise nachhaltiger und regen den Betrachter zur Auseinandersetzung mit ihnen an.